Seit einigen Wochen ist “Put Things Off” einer meiner Lieblingsblogs . Dessen Autor, Nick Cernis, bietet neue und kreative Ansichten über Produktivität. Heute hat er nun sein erstes EBook veröffentlicht, welches ich kurz vorstellen möchte: “todoodlist – Technology is great. Pencils are better.”
Überblick
Der Titel provoziert. Das möchte er wohl auch. Nick Cernis ist – als Webentwickler! – ein glühender Verfechter von Papier und Stift. In dem Buch geht es darum, wie er sich in Papier verliebt hat, wie er sein Leben vereinfacht hat und wie er seinen Träumen folgt. Es hat drei Teile, welche ungefähr gleich lang sind, und präsentiert auf gut 90 Seiten Folgendes:
Im ersten Teil schreibt er 7 kurze Essays zur Vereinfachung. Wer seinen Blog kennt, weiss was ihn erwartet: Nick Cernis kann sehr unterhaltsam, oft provokativ, aber immer interessant schreiben. Die Essay tragen Titel wie “Zen Kitten in a Box”, “Parrots in Space” oder “Einstein Shaving”. Sehr witzig!
Im zweiten Teil stellt er fünf simple Lösungen vor, die helfen, sich wieder in Papier zu verlieben (seine Worte!). Auch diese Lösungen sind sehr kreativ, zwar nicht unbedingt neu, aber sicherlich originell (wie “The Sudoku Calendar” oder “The Banana Reminder”).
Im dritten Teil zeigt er 5 Schritte, um die Komplexität in seinem Leben zu verkleinern. Beigelegt sind zwei Vorlagen, mit deren Hilfe man neue Projekte schneller und besser starten und mehr aus Sitzungen heraus holen kann.
Meine Beurteilung
Ich habe gemischte Gefühle gegenüber dem Buch: Ich schwanke zwischen genial und banal.
Der erste Teil mit den Essays ist sehr witzig. Ich habe ihn regelrecht verschlungen. Er schreibt zwar nichts Neues, aber er präsentiert das Thema “Vereinfachung” auf amüsante, überzeugende Art und Weise in Form von verschiedenen Geschichten. Diese Essay gehören für mich zum Teil “Genial”.
Die 5 Lösungen im zweiten Teil sind sehr unterschiedlich gut. Mit dem “Todoodlist” präsentiert er eine visuelle Methode, seine Aufgaben zu verwalten (ähnlich einem Cluster). Dies überzeugt mich sehr und ich werde dies sicher ausprobieren. Der “Sudoku Calendar” klingt zwar spannend, aber ich habe den Nutzen nicht verstanden. Auch ist seine Beschreibung relativ dürftig. Das “Tagbook”, wo er vorschlägt, mit Hilfe von Post-Its ein Notizbuch in verschiedene Teile zu unterteilen, ist recht banal. Ebenso die “Glyphies”, welche nichts anderes als bildliche Abkürzungen sind, welche man möglichst oft benutzen soll (etwa so, wie man ein Ausrufezeichen bei einer wichtigen Aussage in ein Buch zeichnet). Der “Banana Reminder” hingegen ist wieder sehr kreativ: Um sich an gewisse Dinge zu erinnern, hat er sie sich einfach auf die Banane geschrieben, die er jeden Tag von zu Hause für die Mittagspause mitgenommen hat. So hat er die Erinnerung über Mittag gesehen. Ihm geht es aber nicht um die Banane, sondern darum, Erinnerungen dort anzubringen, wo man sie auch sieht. So wird aus einer witzigen Idee ein eher banaler Tipp.
Der dritte Teil zeigt schön auf, was man unternehmen kann, um sein Leben zu vereinfachen. Nick Cernis geht aber leider nicht über die bekannten Tipps – wie Automatisieren, Delegieren, Reduzieren, Streichen, Fokussieren – hinaus. Das Kapitel ist eine gute Wiederholung bekannter Konzepte, aber mehr nicht.
Zusammenfassend: Die Essay und der Todoodlist sind erfrischend und mehr als lesenswert. Den Rest hätte er kürzen oder sich ganz schenken können.
Kaufen oder nicht?
Schwer zu sagen. Das Buch ist recht teuer für ein EBook, nämlich $19 oder €12.50. Das finde ich zu teuer für diesen Inhalt. Zu seiner Verteidigung: Soweit ich es überblicken kann, ist der Inhalt des Buches neu. Man kann ihn sich also nicht auf seinem Blog zusammen suchen. Das rechtfertigt sicher einen etwas höheren Preis. Der Inhalt tut dies aber nicht.
Nick hat reagiert (auf meinen Blogeintrag?
) und bietet das Buch nun für $14 an (siehe Kommentar). Dieser Preis ist für mich angemessen. (I.B., 31.3.2008)
Wer sich rechtzeitig in seinen Newsletter eingetragen hat, bekommt das Buch für $12. Dieser Preis ist für mich angemessen. Der erste Teil mit den Essays und die Idee des Todoolist sind dieses Geld Wert.
Wer also gerne Essays in lockerer Form liest, eine neue, innovative Methoden zur Aufgabenverwaltung kennen lernen mag und einen jungen Autoren und Blogger unterstützen will, dem kann ich das Buch empfehlen.
Nick Cernis bietet übrigens eine Geld-Zurück-Garantie in den ersten dreissig Tagen an. Das Risiko, Geld für ein unnützes Buch auszugeben, ist also gleich Null. Deshalb: Klick auf einen der Links hier im Beitrag oder auf den Banner rechts bei den EBooks (alles affiliate-Links) und gönnt euch das Buch!
Mehr dazu auf der Seite zum Buch “todoodlist – Technology is great. Pencils are better.“, in seiner Ankündigung “Todoodlist: The eBook on Paper Productivity, Simplicity and Fun!” oder auf dem Blog von Nick Cernis “Put Things Off“.
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{ 9 Kommentare… Lesen Sie die spannenden Kommentare oder schreiben Sie selber einen. }
Thanks for the thorough and honest review. I just wanted to leave a note to say that the price is now $14 — I wanted to give a wider audience the chance to read and enjoy it!
Offenbar versteht der Autor deutsch (oder er hat Tante Google gefragt
). Für diejenigen, die kein Englisch verstehen: Hier meine Übersetzung des Kommentar von Nick Cernis (v.a. wegen der Preisanpassung):
“Danke für den gründlichen und ehrlichen Review. Ich wollte nur kurz sagen, das der Preis jetzt $14 beträgt – ich möchte einem breiteren Publikum die Chance geben, es zu lesen und davon zu profitieren.”
Ich habe das Buch gekauft und habe eigentlich nur eine gute Idee darin gefunden, und zwar dass Mindmaps flexibler auf Papier sind als Listen. Ansonsten finde ich das Buch sowohl nutzlos als auch und immer noch zu teuer, verglichen mit z.B. Leo Barbuta’s beiden eBooks,
Ich kann wirklich nur abraten das Buch zu kaufen.
@Patrick Useldinger: Danke für die Beurteilung!
Verglichen mit Leo Babautas eBooks ist der Todoodlist sicher teu(r)er. Man sollte aber berücksichtigen, dass die beiden eBooks von Leo eine Zusammenstellung von seinen Blogbeiträgen ist. Man bezahlt also nicht für den Inhalt, sondern für die Zusammenstellung und Aufbereitung. Der Todoodlist hat jedoch ein originären Inhalt und insofern finde ich den Preis gerechtfertigt.
Inhaltlich mag das eBook für alte “Cracks” nicht viel Neues bringen, aber die Essays und die Idee des Todoodlists sind für mich das Geld wert. BTW: Nick bietet eine Geld-zurück-Garantie. Bei Nicht-Gefallen hat man also nichts verloren.
das problem ist m.m nach nicht die organisation des einzelnen sondern der einzelne selber denn wie sagt man auf den Baustellen “Wenn du glaubst das der Projektleiter das Projekt leitet ,dann glaubst du auch das ein Zitronenfalter Zitronen faltet”
das sagt wohl alles
@erwin: So pauschal kann man das nicht sagen. Natürlich ist Organisation nicht alles, aber sie hilft, die persönliche Produktivität zu steigern. Und das sieht wohl jeder Arbeit- oder Auftragsgeber gern.
Ivan Blatters letzter Blogbeitrag im eigenen Blog: links und rechts! – 05. Juli 2008
Nette Rezension, hat mich sogar (trotz des kritischen Teils) dazu bewegt, erstmals im Leben auf einen Affiliate-Link zu klicken (was ich normalerweise systematisch verweigere).
Ich hoffe aber, der Affiliate-Link war nicht der Grund dafür, dass der Kauf statt der auf der Webseite angegebenen 8,89 EUR bei Paypal plötzlich 11 EUR kostete…
Gekauft habe ich’s trotzdem (obwohl ich es eigentlich zu teuer finde), weil ich noch etwas Lektüre für die Heimfahrt brauchte.
P.S.: Die Blog-Uhr geht falsch. Es ist noch nicht Mitternacht.
@Alex: Ich kann den Preisunterschied nicht reproduzieren, weil mein Paypal in USD zahlt. Vermutlich liegt es aber daran, dass Paypal den Tageskurs benutzt, Nick hingegen irgendwann mal den EUR-Preis von Hand ausgerechnet und angeschrieben hat. Ich werde ihn darüber informieren.
Danke für den Hinweis mit der Uhr! Ich wusste gar nicht, dass ich von Hand auf Winterzeit umstellen muss. Sonst geht das ja fast überall automatisch.