
photo by Thru The Glass
In der Weihnachtswoche wird der normale Wochenplan von blatternet.ch durchbrochen. Im Zentrum steht eine Woche lang Weihnachten und die einzelnen Feiertage. Was ist eigentlich die Botschaft dahinter? Was kann man davon heute noch und in Bezug auf die Themen dieses Blogs lernen? Viel Spass bei diesen weihnachtlichen Beiträgen!
Heute ist der Stephanstag oder auch der zweite Weihnachtsfeiertag. Dieser Tag ist der Gedenktag der heiligen Stephanus, einem Zeitzeugen Jesu und gleichzeitig der erste (offizielle) christliche Märtyrer. “Märtyrer” ist ein nicht ganz einfacher Begriff, der heute oft missbraucht wird. Gemeint ist damit aber ein Mensch, der für das Bekenntnis seines Glaubens getötet wird. Stephanus war ein solcher. Man muss sich die Zeit kurz nach Jesu Tod so vorstellen: Eine Bewegung hat ihr geistiges Oberhaupt verloren. Viele Anhänger Jesu waren bestürzt, nicht nur wegen des Todes Jesu, sondern wegen der zerstörten Hoffnung: Die Botschaft Jesu war nämlich eine ausgesprochen hoffnungsvolle und hat vielen einsamen, verzweifelten, armen und kranken Menschen Mut und Hoffnung auf ein besseres Leben gegeben. Und plötzlich wird dieser Hoffnungsträger gefoltert, verspottet und grausam ermordet. Die Apostel – Wegbegleiter Jesu – und die Jüngerinnen und Jünger – enge Anhänger Jesu – mussten sich nun überlegen, wie es weiter gehen soll.
Es kam zu Streitigkeiten in der Urgemeinde, weil verschiedene Ansichten herrschten und kein zentraler Kopf wie Jesus mehr da war. In dieser Situation bekamen die Apostel Angst, dass sie die Lehre und Predigt vernachlässigen mussten. Deshalb wählte die Gemeinde sieben sog. Diakone aus, welche das Wort Gottes weiter verbreiten sollten. Stephanus war einer dieser sieben Diakone. Er wurde dann später wegen Gotteslästerung angeklagt und schliesslich zu Tode gesteinigt. Seine Ermordung war der Auftakt zu einer grossen Christenverfolgung in Jerusalem. Nachlesen kann man die Erzählung in der Apostelgeschichte (Apg 6f.). Auffallend ist, dass der Tod von Stephanus mit ähnlichen Worten wie der Tod Jesu beschrieben ist. Das ist kein Zufall: Die Anlehnung findet sich im Lukas-Evangelium und dessen Autor ist derselbe wie der der Apostelgeschichte. Der Autor wollte also eine Parallele zwischen Jesus und Stephanus herstellen und damit die besondere Rolle von Stephanus hervor heben.
Die Apostel haben realisiert, dass es Zeiten gibt, in denen sie gut das Wort Gottes weiter geben konnte, aber dass es eben auch Zeiten gibt, wo sie das nicht tun konnten und aufgrund ihrer Autorität (immerhin war sie die engsten Freunde Jesu) eine besondere Führungsrolle einnehmen mussten. Dies zu realisieren und sich einzugestehen ist nicht immer einfach. Viele Menschen überschätzen sich, können nicht los lassen oder etwas abgeben. Aber: “Alles hat seine Stunde” (Koh 3,1). Vielleicht ist ja gerade heute der ideale Tag, wieder aufzutanken und zur Ruhe zu kommen: Der Shoppingstress ist vorbei, die Geschenke verteilt, aber das neue Jahr hat noch nicht angefangen. Hier ein paar Ideen, wie man diesen Tag sinnvoll einsetzen und aktiv auftanken kann:
Weihnachtsspaziergang: Man kann ganz gut alleine einen Weihnachtsspaziergang machen. Man kann das aber auch in Gesellschaft oder mit der ganzen Familie tun. Es ist ein Kontrast zum überreichen Beschenken und zu üppigen Weihnachtsmalen.
Lichter: Eigentlich kann man auch mal neue Traditionen einführen: Anstelle von Rambazamba, Geschrei und Trubel kann man zusammen in Stille ein paar Kerzen betrachten. Jeder macht sich dann seine Gedanken. Das kann man nicht stundenlang machen, aber ist vielleicht ein willkommener Unterbruch.
Gemeinsam Lesen: Gerade mit Kindern, aber auch nur zu zweit, hat gemeinsames Lesen (Vorlesen) eine verbindende Wirkung. Schade, dass man das nicht öfters macht. Aber wieso nicht heute am zweiten Weihnachtstag mal etwas Ruhiges oder vielleicht etwas Besinnliches oder Meditatives zusammen lesen? Einfach etwas, was zusammenführt und verbindet.
Spielen: Erinnert ihr euch noch an eure Zeit als Kinder? Was habt ihr da am liebsten getan? Genau: Spielen. Ich glaube, dass viele Erwachsene das immer noch gerne tun. Heute ist ein guter Tag dazu, da ja eure Lieben sowieso da sind. Warum also nicht wieder mal die Spielkarten oder die Brettspiele heraus holen?
Lichter gucken: Meistens sind die Städte am zweiten Weihnachtstag relativ leer, obwohl die Läden zum Teil schon wieder offen haben. Wer bisher noch keine Zeit hatte, kann jetzt einen Spaziergang am Abend durch die Stadt machen und die Weihnachtsbeleuchtungen anschauen gehen. Denn die brennen sicherlich noch.
Austausch bei Kerzenschein: Zu Weihnachten passen einfach Kerzen. Also könnte man sich bei Kerzenlicht gegenseitig Geschichten erzählen oder Erinnerungen austauschen (“Weisst Du noch?”).
Kulinarisches: Wenn ich an Weihnachten denke, denke ich an Gewürze, Lebkuchen, Zimt usw. Das kann man gemeinsam geniessen und sich darüber austauschen: Man kann beispielsweise verschiedene Gewürztees probieren und versuchen, bewusst den Geschmack wahrzunehmen. Darüber kann man sich herrlich austauschen.

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