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Weihnachtswoche: Heiligabend

24. Dezember 2007

unter Simplify

Busi

photo by alicemariedesign

In der Weihnachtswoche wird der normale Wochenplan von blatternet.ch durchbrochen. Im Zentrum steht eine Woche lang Weihnachten und die einzelnen Feiertage. Was ist eigentlich die Botschaft dahinter? Was kann man davon heute noch und in Bezug auf die Themen dieses Blogs lernen? Viel Spass bei diesen weihnachtlichen Beiträgen!

Heute ist der Heilige Abend oder Heiligabend. Nach dem antiken Kalender dauerte ein Tag bis zum Sonnenuntergang und somit gehört Heiligabend schon zu Weihnachten. Deshalb werden übrigens die Gottesdienste, wo man die Geburt Jesu feiert, immer erst abends, d.h. eigentlich an Weihnachten gefeiert. Das ganze Weihnachtsfest findet an der Sonnenwende statt (ungefähr – eigentlich ist die Sonnenwende ja am 21. Dezember). Dies ist nicht zufällig: Denn die Geburt Jesu wird so mit der Rückkehr des Lichtes verbunden. Das Licht verdrängt die Dunkelheit. Dies drücken wir ja auch im Adventskranz an: Jede Woche wird eine neue angezündet, bis alle vier brennen. Vier ist eine heilige Zahl, die in der Bibel oft vorkommt: 4 Evangelien, der Gottesname Jahwe wurde mit vier Buchstaben geschrieben usw. Im katholischen Verständnis ist am 24.12. auch das Gedächtnis an Adam und Eva. Auch das ist kein Zufall: Jesus wird nämlich auch als der neue Adam verstanden.

Die ganze Weihnachtsgeschichte ist voll von Symbolen und Anspielungen. Darüber könnte man mehrere Beiträge schreiben. Ich möchte nur ein paar derjenigen erwähnen, die irgendetwas mit simplify, dem Thema des Montags, zu tun haben. Eigentlich ist es offensichtlich: Jesus ist nicht in einem grossen Palast auf die Welt gekommen, sondern in einem Stall und in einer Krippe. Klar, das war nicht geplant: Seine Eltern wollten ja in einer Herberge absteigen, aber sie fanden keinen Platz mehr. Doch nicht genug: Die ersten, die von der Geburt Jesu erfuhren, waren nicht die drei heiligen Könige und schon gar nicht die lokalen Herrscher, sondern ein Grüppchen von Hirten. Der Ruf von Hirten war zweischneidig: Sie galten in Teilen der rabbinischen Literatur als potentielle Betrüger. Gleichzeitig gab es aber in der jüdischen Tradition auch Ansichten, die Hirten sehr schätzten: Gott wird oft mit dem Bild des Hirten beschrieben und Moses beispielsweise war Hirte.

Doch nicht genug: Gott wird eigentlich als Herr oder Herrscher betitelt, aber was macht er? Er kommt auf die Erde und zwar nicht als König oder Kaiser, nicht als Star, nicht als mächtiger Mensch, sondern er wird Mensch in Jesus: Einem Kind eines mittelständischen Handwerkers in der Provinz. Keine Pauken, keine Trompeten. Dann bleibt er fast ein Leben lang still. Zu Jesu Zeiten hatten die Menschen eine viel geringere Lebenserwartung als heute. Jesus war etwa 30 Jahre alt, als sein öffentliches Wirken begann. Mit 30 Jahren war man zu der Zeit schon ein gesetzter Mann, die Mitte des Lebens schon längst überschritten. Die Lebenserwartung betrug damals nämlich nur etwa 40-50 Jahre.

Was heisst das nun für mich und für heute? Die Geschichte um Jesus und seine Geburt zeigt mir sehr deutlich auf, dass Gott und Jesus zu allen Menschen kommen, gerade auch und vor allem zu den armen, den ausgestossenen und verletzten Menschen. Sie zeigt aber auch, dass Gott keine grossartigen Geschenke erwartet oder braucht – trotz der Geschenke der drei heiligen Könige. Diese haben zwar unglaublich wertvolle Dinge mitgebracht (Gold, Myrrhe und Weihrauch), aber was nützen einem Kind, welches nicht mal ein Dach über dem Kopf hat, diese Dinge? Wahrscheinlich sind Josef und Maria noch verdächtigt worden, sie hätten diese Dinge gestohlen, wenn sie sie hätten verkaufen wollen. Diese Geschenke waren eher ein Zeichen dafür, dass diese drei Weisen aus einem fernen Land dieses kleine Kind hier als König und Herrscher anerkennen. Doch wie bereits erwähnt: Die Hirten waren die ersten, die bei Jesus waren. Gott braucht kein Ramba-Zamba. Gott braucht keinen Reichtum und riesigen Ruhm. Ich weiss, dass sich die katholische Kirche heute oft anders gebiert, aber das ist eine andere Diskussion. Gott möchte allein, dass die Menschen ihn annehmen und ihm folgen. Jede und jeder in ihrem eigenen Leben, egal ob als König oder als einfacher Arbeiter. Solche Dinge spielen für Gott keine Rolle, sondern Menschsein alleine genügt ihm schon.

Gott muss auch nicht in den grossen, wichtigen, wertvollen Dingen gesucht werden. Gott ist nicht nur beim Anblick des unendlichen Sternenhimmels oder bei einer Geburt oder sonst einem grossartigen Augenblick erfahrbar. Sondern Gott ist auch und gerade in den kleinen Dinge da: In einem Blümchen, in einem anderen Menschen usw. Gott ist vor allem überall da, wo Liebe ist. Am Erstaunlichsten für mich ist, dass sich die Botschaft Jesu auf zwei ganz einfache Sätzchen zusammenfassen lässt, die aber alles enthalten: Liebe Gott mit ganzen Herzen und ganzer Seele. Und: Liebe Deinen Nächsten wie Dich selber. (Mk 12,29ff.) Dies ist die einfache Botschaft, die Jesus uns mitgeben wollte, die aber so schwierig umzusetzen ist und so vieles beinhaltet. Aber es zeigt, dass die ganz wichtigen und essentiellen Botschaften des Lebens eben doch viel einfacher sind, als wir uns vorstellen. Und das nennt man: Simplify!


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1 Hufi 26. Dezember 2007 um 00:14

Vielen Dank!
Es ist schön, an Weihnachten etwas über Weihnachten zu lesen.
Gesegnete Weihnachten!

Antworten

2 Ivan Blatter 27. Dezember 2007 um 09:39

Danke Dir, Hufi! Die Weihnachtswoche auf blatternet.ch ist ein Experiment. Ich versuche, eine Bezug zwischen den einzelnen Feiertagen und den Themen des Blogs herzustellen. Das ist gar nicht so einfach, aber – zumindest für mich – sehr spannend!

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