
Lange Zeit war ich eher ein chaotischer Typ. Ich war einfach zu faul, Dinge aufzuräumen und zu organisieren. Damit stehe ich wohl in der Reihe von Millionen von Menschen. Gerade im Arbeitsumfeld gilt ausserdem der als wichtig und gefragt, der die höchsten Stapel Papier umher stehen kann. Und kreative Menschen haben sowieso keine aufgeräumten Tische. Ich finde es ganz interessant, wie dieser Mechanismus spielt – auch bei mir. Wahrscheinlich wird einfach angenommen, das derjenige mit dem grössten Chaos halt so viele wichtige Sachen zu tun hat, dass er gar keine Zeit zum Aufräumen hat. Es gehört sowieso zum guten Ton, immer zu betonen, dass man keine Zeit hat. Sonst kommt ja einer auf die Idee, dass man unterbeschäftigt ist oder keine Ideen hat, was man tun soll.
Mittlerweile finde ich dies ziemlich müssig. Ich habe am eigenen Leib erfahren, was eine gute Ordnung alles bringt:
- Übersicht: Heute finde ich meine Dinge im Nu und kann direkt damit arbeiten.
- Effizienz: Die wenige Zeit, die ich für das Aufräumen verwenden muss, verhilft mit zu grösserer Effizienz: Ich weiss, was ich noch tun muss und kann mich voll auf das Erledigen der Dinge fokussieren und nicht darauf, Dinge zu suchen oder etwas nicht zu vergessen.
- Ästhetik: Ein aufgeräumter Raum wirkt einfach besser – eben aufgeräumt. Ich bin ein visueller Mensch und ich fühle mich wohler, wenn die Dinge ihren Platz haben – trotz meiner Faulheit aufzuräumen.
Es gibt grundlegende Prinzipien zu mehr Ordnung und Organisation, und es gibt verschiedenste Methoden und Hilfsmitteln, eine Ordnung zu schaffen. Heute möchte ich euch 5 Prinzipien vorstellen, die mir sehr geholfen haben. Unter “Ordnung schaffen” verstehe ich dabei nicht nur das Auf- und Wegräumen. Sondern die Prinzipien lassen sich grundsätzlich auch auf die Organisation seiner Aufgaben anwenden.
5 grundlegende Prinzipien zu mehr Ordnung
- Kleine Schritte: Es reizt natürlich sehr, in einem Husarenritt alles aufzuräumen und um zu organisieren. Doch Vorsicht: Es besteht die Gefahr, dass man sich verzettelt und sich auf eine Weise organisiert, die einem vielleicht gar nicht entspricht. Deshalb lieber Schritt für Schritt vorgehen: Man konzentriert sich auf einen Bereich oder Raum und schaut dann, ob sich diese Art von Organisation bewährt. Dann geht man zum nächsten über. Ich habe damit angefangen, zuerst mein Büro zu Hause zu organisieren. Dann kam das Wohnzimmer dran. Und so weiter…
- Ordnung mit System: Am besten, man probiert ein System aus und schaut dann, ob es sich bewährt und ob es zu einem passt. Es gibt Systeme, die sich sehr gut lesen, aber die einfach nicht zu einem passen, weil sie vielleicht zu überdimensioniert sind oder weil sie nicht eben doch nicht alle Bedürfnisse abdecken. Wenn ihr das merkt, dann könnt ihr ohne schlechtes Gewissen das System verwerfen und ein neues ausprobieren. Das ist wohl auch der Grund, weshalb niemand sonst für euch Ordnung schaffen kann. Während es für den einen logisch ist, Pyjamas in die Kommode zu legen, ist es euch völlig klar, dass sie eben in den Schrank gehören. Blödes Beispiel, ich weiss, aber das Prinzip dahinter versteht ihr.
- KISS: “Keep it simple and stupid.” Ein System muss so einfach sein, dass man es nach Wochen auch noch versteht. Manchmal habe ich gar ausgeklügelte Systeme geschaffen, aber nach ein paar Wochen fand ich dann die Dinge doch nicht mehr oder verstand nicht mehr wo ich was ablegen muss. Mittlerweile frage ich mich jeweils, wo ich das Ding in meiner Hand am ehesten suchen würde, wenn ich es verloren hätte. Dort ist dann sein Platz.
- Durchziehen: Wenn man sich dafür entschieden hat, mehr Ordnung zu schaffen, dann sollte man auch hinter der Entscheidung stehen. Immer, wenn ich denke “das mache ich später”, klingeln bei mir die Alarmglocken. Wenn ich keinen wirklich guten Grund finde, es später zu machen (z.B. keine Zeit, Stress, volle Hände usw.), dann “muss” ich es sofort machen. Chaos ist häufig das Ergebnis von Faulheit (“ich mache es dann irgendwann”) und selten das Problem eines schlechten Ordnungssystems. Genauso räume ich die Dinge weg, wenn ich etwas erledigt habe – und zwar direkt danach, nicht erst “später” (später=nie).
- Ziel nicht vergessen: Es soll ja Leute geben, die organisieren um des Organisierens willen (“l’art pour l’art”). Das mag zwar Spass machen (hmm…), aber hier geht es darum, durch Organisation Zeit zu gewinnen und Stress abzubauen. Das Ziel ist nicht, eine coole Adressdatenbank zu finden und in allen Finessen auszunützen, sondern seine Adressen so abzulegen, dass man immer Zugriff darauf hat und die Einträge immer aktuell sind. Das Ziel ist nicht, immer neue System zur Verwaltung der Aufgaben auszuprobieren, um die perfekte Anwendung zu finden, sondern ein System zu finden (oder zu schaffen), mit welchem man keine seiner Aufgaben vergisst und eine gute Übersicht hat. Klar: Es darf Spass machen, aber das System ist nur ein Hilfsmittel und soll nicht im Vordergrund stehen.
- Bonus-Tipp: 2-Minuten-Regel: Grundsätzlich gilt für mich: Wenn ich etwas in höchstens zwei Minuten erledigen kann, dann tue ich das sofort. Damit sind schon einige Dinge versorgt oder erledigt, die ich früher aufgeschoben hätte. Eine ähnliche Regel, die hierzu passt, ist die, dass ich versuche, nie mit leeren Händen umher zu gehen. Es gibt immer etwas, was man gerade mit nehmen oder “nebenbei” mit erledigen kann: Leere Tasse in die Küche mit nehmen, auf dem Rückweg die alten Zeitungen ins Altpapier legen, auf dem Weg zu einkaufen die leeren Flaschen bei der Recycling-Station ablegen, auf dem Rückweg die Post hoch nehmen usw.
P.S.: Ein Vorteil von mehr Ordnung habe ich gerade am Wochenende wieder eins-zu-eins erlebt: Wir haben geputzt und ich war für den unteren Stock zuständig. Ich habe nicht mal eine Stunde gebraucht, um in 3 Zimmern abzustauben, zu saugen und alle Böden feucht aufzunehmen. Als Bonus habe ich in der Zeit auch noch das Bad und die ganze Küche auf Hochglanz gebracht. Das war nur möglich, weil ich praktisch nichts wegräumen musste und weil wir leere Flächen sehr oft leer lassen. So macht Putzen richtig Spass!

Mein Name ist Ivan Blatter und ich bin Ihr Office Trainer: Ich helfe Ihnen, produktiver zu arbeiten. Schauen Sie sich um, erfahren Sie mehr 

