
photo by -gadgetgirl-
Leo von Zen Habits hat einen wunderbaren Artikel über seinen Glauben an die Menschlichkeit geschrieben. Nachdem er beschreibt, wie er die Situation wahr nimmt und dann analysiert, weshalb sich unsere Gesellschaft in einzelne Individuen spaltet, geht er mit gutem Beispiel voran und gibt etwas an alle, die wollen. Seine Ressourcen sind natürlich beschränkt, aber er verschenkt den ersten 30 Kommentatoren sein EBook (die 30 Exemplare sind schon längst weg), setzt einen Link auf die Blogs, die sich seiner Güte-Initiative anschliessen und fordert alle dazu auf, einfach anderen Menschen zu geben und sie aufzufordern, die “chain of kindness” (etwa: “Kette der Güte”) weiter zu spannen.
Ich finde es einen sehr schönen Zug von Leo, denn er hat einen der erfolgreichsten Blogs über Produktivität, Simplify, Motivation usw. Diese Stellung nutzt er immer wieder dazu, etwas weiter zu geben und die Welt ein klein wenig besser zu machen. Ich möchte mich seiner Initiative anschliessen und heute über Güte oder Nächstenliebe schreiben. Der Eintrag war nicht geplant, deshalb ist dieser Beitrag ein lautes Nachdenken von mir, aber es passt wunderbar in meinen Wochenplan.
Nächstenliebe
Es gibt wohl kaum eine grosse Kultur, welche nicht das Gebot der Nächstenliebe oder den kategorischen Imperativ formuliert hat. Dies trifft vor allem auf alle grossen Religionen zu. Im Christentum findet man den Aufruf zu Nächstenliebe im Alten (Lev 19,18) und Neuen Testament (Mt 22,39). Die Güte gegenüber anderen Menschen ist für mich deshalb ein Grundprinzip des menschlichen Daseins, welches alle Grenzen überwindet. Nächstenliebe aber ist ein grosses Wort, “liebt eure Feinde” (Mt 5,43-48) ein noch grösseres. Für mich persönlich gilt dies zwar als Massstab, aber ich bin mir bewusst, dass das eine Lebensaufgabe ist, ja sogar ein dauerhafter Prozess, den man nie abschliessend wird. Davon darf man sich aber nicht einschüchtern lassen. Vielmehr kann man hier und jetzt mit ganz kleinen Dingen beginnen, die die Welt verändern. Nicht die grosse, weite Welt, aber seine eigenen Welt, seine Einstellungen und sein Umfeld.
7 Ideen, gütig zu sein
Hier sind 7 Ideen, die sehr einfach umzusetzen sind:
- Zuhören: Zuhören heisst nicht, einfach die Worte des anderen hören. Zuhören bedeutet, sich auf die Welt des anderen einzulassen, seine Position einzunehmen und interessiert zu sein, den anderen und seine Sichtweise zu verstehen. Dazu muss man sich selber zurück nehmen können. Aber gleichzeitig schenkt man dem anderen sich selbst und seine Zeit.
- Dankbarkeit “vertikal”: Für mich gibt es zwei Arten von Dankbarkeit: Einerseits die Dankbarkeit gegenüber anderen Menschen (siehe Punkt 3), aber andererseits auch die Dankbarkeit gegenüber Gott, dem All, der Natur, dem Göttlichen – oder wie auch immer ihr das nennen wollt. Wer dankbar ist für sein Leben, den neuen Tag, eine gute Nacht oder einfach nur für den Moment, der kommt näher zu sich. Das bleibt auch seinem Umfeld nicht verborgen. So verändert man sein Umfeld, indem man bei sich selber anfängt.
- Dankbarkeit “horizontal”: Dann gibt es noch die Dankbarkeit gegenüber anderen Menschen. Die meisten von uns leben in einer Welt, wo viele der wichtigsten Bedürfnisse abgedeckt sind. Doch oft nehmen wir das für selbstverständlich hin. Man kann aber seine Dankbarkeit zeigen, gerade bei kleinen Dingen: Wenn jemand einem zuhört, wenn jemand sich Zeit für einen nimmt oder einfach da ist. Ein einfaches “Danke” von Herzen hat schon manches Eis gebrochen und dem anderen den Tag versüsst.
- Lächeln: Lächeln und lachen lösen einen ganzen Schub von Hormonen aus und wärmen das Herz von einem selber und vom anderen. Warum also nicht einfach mal an der Kasse des Einkaufsladen ein kurzes Lächeln wagen? Ein Lächeln kann jeder verschenken: Es kostet nichts, aber hat eine grosse Wirkung.
- Mitleid haben: Zu oft denken wir: Der ist ja selber schuld. Das mag sein, aber hilft ihm auch nicht weiter. Mitleid haben hat überhaupt nichts mit der Schuldfrage zu tun. Mitleid hat man, wenn man mit einem anderen Menschen in seiner Situation mit leidet. Warum er in dieser Situation steckt, spielt für das Mitleid keine Rolle. Auch in vielen kleinen Dingen kann man Mitleid mit einem Menschen haben und so für ihn da sein. Der Volksmund weiss schon ja lange: Geteiltes Leid ist halbes Leid.
- Freude zeigen: Analog dazu gilt: Geteilte Freude ist doppelte Freude. Sich mit jemandem ehrlich freuen, bestätigt den anderen und ist einfach toll: Denn man freut sich ja auch und wer freut sich nicht gerne?
- Zeit nehmen: Letzthin hatte ich ein Gespräch mit jemandem, der im Moment unfreiwillig einen Doppeljob erledigen muss. Ich hatte ein Gespräch mit ihm und wollte sehr rasch zum Punkt kommen, weil ich ja weiss, wie beschäftigt er ist. Doch er nahm sich einfach Zeit. Er nahm sich auch Zeit für Dinge, die mit meinem Anliegen eigentlich nichts zu tun hatten. Er nahm sich Zeit für mich. Das hat mich sehr beeindruckt, denn das war ein sehr schönes Geschenk an mich.
Was will ich heute davon umsetzen?
Leo legt in seinem Beitrag grossen Wert darauf, dass man sich auch konkret vornimmt, was man heute verschenken will. Leider bin ich kein Heiliger und kann nicht gleich alles umsetzen. Aber ich kann mir für heute bewusst ein paar dinge davon vornehmen. So werde ich am heutigen Tag besonderes Augenmerk darauf legen
- mir Zeit für mindestens 2 Menschen zu nehmen und ihnen offen und einfach so ohne Grund zuzuhören;
- mindestens 5 fremden Menschen ein Lächeln zu schenken;
- mich am Abend gegenüber meinem Gott dankbar zu zeigen für alles, was er mir gibt.
Wollt ihr euch uns anschliessen? Wie wollt ihr – auch in kleinen oder in immateriellen Dingen – jemandem etwas schenken? Hinterlasst einfach einen Kommentar mit euren Ideen!
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{ 2 Kommentare… Lesen Sie die spannenden Kommentare oder schreiben Sie selber einen. }
Hi Ivan!
Habe gerade dein Blog in den Backtracks von zenhabits gefunden. Schön, ein deutsches Blog zu sehen, dass anscheinend einen ebenso hohen Standard wie zenhabits hat. Ich werde hier auf jeden Fall weiter mitlesen.
Jan
Salut Jan
Oh, vielen Dank für das Kompliment! Dass Du mich mit zenhabits vergleichst, lässt mich ein wenig erröten.
Leo und sein Blog sind nämlich IMHO die Messlatte, an dem sich jeder Blog zu ähnlichen Themen messen lassen muss.
Ivan
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