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Der Vorteil von Routinen

15. November 2007

unter Erfolg

photo by practicalowl

Ich bin ein grosser Fan von Routinen. Früher dachte ich zwar, Routinen seien spiessig und einengend, aber heute weiss ich um die grosse Wirkung: Routinen entlasten mich. Sie geben mir Sicherheit, weil ich weiss, was ich zu tun habe und sie mir abnehmen, an vieles zu denken, weil ich ja die Routine automatisch abspule. In Routinen kann ich Dinge hinein packen, die sonst zu kurz kommen würden. Dringende Dinge, die auf einen drücken, muss man einfach erledigen, weil sie eben dringend sind. Wenn sie gleichzeitig auch wichtig sind, dann spricht nichts dagegen, alles andere stehen zu lassen. Doch es gibt auch Aufgaben, die überhaupt nicht dringend sind, aber enorm wichtig. Beispielsweise Zieldefinitionen: Was will ich in meinem Leben erreichen? Was ist mein Wochenziel? Was ist das Ziel dieses oder jenes Projektes? Oftmals widmet man sich der Zieldefinition nicht oder zu wenig. Das ist schade, denn wie soll ich mich auf den Weg machen, wenn ich gar nicht weiss, wohin ich will?

Auslöser

Viele Dinge würden wir sogar überhaupt nicht machen, wenn wir sie nicht routinemässig erledigen. Wie viele von uns würden sich täglich zweimal die Zähne putzen, wenn wir das nicht routinemässig nach dem Aufstehen und vor dem Zu-Bett-Gehen machen würden? Sicher nicht so viele, wie das jetzt tun. Zwar weiss jeder, was es langfristig für Folgen hat, wenn man sich die Zähne nicht putzt, aber das ist keine Ausrede. Sonst würden wir ja auch nicht mehr rauchen, uns gesund ernähren, Sport treiben, weniger Auto fahren usw. Aber dank gewisse Auslöser, die uns automatisch zum Zähneputzen bringen, machen wir es trotzdem. Dieser Auslöser kann die Dusche sein: Sobald ich raus komme, putze ich die Zähne. Oder das Rasieren oder oder oder.

Unser Tag ist von vielen Routinen bestimmt: Wenn ich morgens ins Büro kommen, dann schalte ich als erstens routinemässig den Computer ein und hole mir einen Kaffee. Danach checke die Mails. Ich tue das einfach, ohne es zu hinterfragen. Das funktioniert auch bei schlechten Gewohnheiten: Welcher Raucher mag beispielsweise auf die Verdauungszigarette verzichten? Das ist so tief eingeprägt und programmiert, dass jeder Raucher noch nervöser wird als sonst, wenn er nach dem Essen nicht rauchen kann. Viele Dinge tun wir völlig automatisch: Wir schalten das Radio ein, wenn wir ins Auto steigen, egal ob wir überhaupt Lust haben, etwas zu hören oder nicht. Abends legen wir uns direkt auf das Sofa, sobald die Schuhe ausgezogen sind. Wir schauen jedes Mal in den Briefkasten, wenn wir nach Hause kommen, obwohl der Briefträger nur einmal pro Tag kommt und wir schon zweimal in den leeren Kasten geschaut haben. Es gibt unzählige Beispiele von Tätigkeiten, die einfach so ablaufen.

Routinen nützen

Dieses Prinzip können wir nutzen, um neue Gewohnheiten zu etablieren:

  • Anschluss: Wenn wir es schaffen, eine neue Gewohnheit an eine alte zu binden, werden wir sie praktisch automatisch machen. Eine Gewohnheit hingegen, die keinen Auslöser hat, hängt in der Luft und geht eher vergessen.
  • Realistisch bleiben: Man kann seine Routinen nicht ewig aufblasen. Der Ablauf muss sich in einem realistischen Rahmen bewegen.
  • Mass halten: Ich bin oft so motiviert, dass ich am liebsten gerade alles neu erfinden möchte. Doch mehr als eine Gewohnheit zu ändern oder neu zu definieren für oft zur Überforderung. Deshalb: Lieber nur auf eine Gewohnheit fokussieren.
  • Übung: Bis eine Gewohnheit in Fleisch und Blut über gegangen ist, braucht es Zeit und konstante Übung. Die Angaben schwanken zwischen einem und drei Monaten, bis sich eine Gewohnheit eingespielt und etabliert hat. Also muss man die Routine mindestens dreissig Tage einüben, bevor man sich einer neuen Gewohnheit widmet.

Beispiele

Und jetzt geht’s los: Was will ich erreichen? Ich will beispielsweise meinen Tag besser planen. Also: Wo kann ich das anschliessen? Gegenfrage: Was mache ich, wenn ich morgens ins Büro komme? Richtig, den Computer einschalten. Also kann ich die Zeit des Hochfahrens benutzen, meine ToDo-Listen durch zu sehen und meinen Tag im Kalender zu planen.

Oder: Ich will mich besser auf meine Aufgaben fokussieren. Ich lese aber immer sofort eine Mail, wenn sie gerade rein kommt. Gut, dann werde ich als erstes sicherlich die Mailbenachrichtung ausschalten und dann hänge ich das Mailchecken an bestimmte Auslöser, die Sinn machen, z.B. vor der Morgenpause, nach dem Mittagessen und bevor ich nach Hause gehe.

Durch ständige Übung ist es also durchaus möglich, neue Routinen einzuplanen und schlechte loszuwerden. Dazu braucht es aber eine starke Motivation und gute Ziele.

Wie handhabt ihr das? Habt ihr schon mal versucht, bewusst neue Routinen zu konstruieren und einzuüben? Schreibt mir von euren Erfahrungen im Kommentar.


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1 Lasse 16. November 2007 um 20:07

Das sind wirklich schöne, eindrucksvolle Bilder

Antworten

2 Ivan Blatter 17. November 2007 um 09:01

@Lasse: Danke für das Kompliment. Das gilt aber nicht mir, sondern dem Urheber (hier practicalowl). Leider sind nur die wenigsten Bilder von mir (das sind jeweils die, wo kein Verweis auf den Urheber angegeben ist).

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