Monatsarchiv:

Oktober 2007


photo by Don Gru

Eigentlich lese ich sehr gerne. Nur leider nehme ich mir zu wenig Zeit dafür. Ich dachte auch immer, dass ich ein Hirn wie ein Sieb hätte. Denn kaum war das Buch fertig, hatte ich schon wieder vieles vergessen. Ganz zu schweigen nach ein paar Wochen oder Monaten. Doch heute weiss ich, dass einfach mein System verkehrt war. Man kann nicht einfach ein Buch durchlesen und dann erwarten, dass man es grad im Hirn speichert. Das Gedächtnis arbeitet wenig mit Wörtern, sondern viel lieber mit Bildern, Gerüchen, Geschmack, Tönen usw. Die Herausforderung besteht also darin, das Gelesene hirngerecht aufzubereiten. Das ist da eine. Die andere Frage, die mich immer beschäftigt, ist: Wie kann ich das Optimum aus einem Buch heraus holen? Manchmal langweilt man sich ja beim Lesen, weil man etwas schon weiss oder weil es einen einfach nicht interessiert. Man bleibt dann trotzdem dran, weil man gelernt hat, ein Buch von vorne bis hinten, Buchstabe für Buchtstabe zu lesen. Es gibt aber bessere Wege. Einen Weg möchte ich heute vorstellen. Es ist eine Mischung zwischen den Tipps von Tony Buzan aus seinem MindMap-Buch und einem interessanten Artikel von Donald Latumahina. Aus diesem Mix ergibt sich keine Schnelllese-Methode, sondern eine zielgerichtete, einfache Methode, das Wichtigste aus einem Buch zu holen. Der “Trick” besteht darin, wie in einer Spirale vom Allgemeinen zu Speziellen vorzustossen. Als Ergebnis hat man dann ein MindMap vor sich, welches einem alle Fragen beantwortet, die man hatte, als man das Buch kaufte. Doch schön der Reihe nach.

  1. Überfliegen (10 Minuten): Im ersten Schritt nimmt man sich das Buch und blättert es einfach durch. Man versucht, die Themen des Buchs herauszufinden. Eigentlich ist es genau so, wie man es in der Buchhandlung schon macht: Man liest den hinteren Umschlagtext, das Inhaltverzeichnis und blättert ein wenig herum. Anschliessend erstellt man die Grundstruktur des MindMaps: das Zentralbild und vielleicht schon die Hauptäste. Die können den einzelnen Kapiteln entsprechen, müssen aber nicht.
  2. Ziel/Zweck (5 Minuten): Im zweiten Schritt überlegt man sich, was man sich von dem Buch erhofft. Welche Antworten will ich aus dem Buch? Wo liegen meine Interessen an dem Buch? Weshalb lese ich es? Die Antworten kann man in einem kleinen separaten MindMap notieren.
  3. Planen (5 Minuten): Wie lange will ich mich mit dem Buch beschäftigen? Ein Zeitrahmen verhindert, dass man umhertrödelt oder sich in Details verliert. So kann man beschliessen, in den nächsten zwei Stunden die ersten vier Kapitel durch zu arbeiten. Zur Planung gehört aber auch die Frage: Welches Material ziehe ich bei? Vielleicht lege ich ein Nachschlagewerk dazu, wo ich dann bei Bedarf was nachlesen kann. Oder ich beschliesse, mich nur dem Inhalt des Buches zu widmen ohne zusätzliches Material.

    Bis hierher haben wir eigentlich noch gar nichts gelesen. Vielmehr haben wir uns aber auf das Material vorbereitet, so dass wir jetzt starten können zu lesen.

  4. Lesen: Das Lesen geht in verschiedenen Schritten vor sich. Je nach Planung nimmt man sich Kapitel für Kapitel oder vielleicht Seitenpäckchen (z.B. 20 Seiten) vor und zwar nach der Spiralmethoden. Das heisst, dass man die entsprechenden Seiten mehrmals durchgeht, aber immer mit einem anderen Fokus:
    • Zuerst verschafft man sich einen Überblick, indem man die Seiten zuerst mal durchblättert und schaut, was einen erwartet.
    • Dann geht man mehr ins Detail und schaut sich die Grafiken oder Zeichnugen an, liest vielleicht jeweils den ersten und letzten Satz eines Abschnitts. Dort stehen nämlich in der Regel die wichtigsten Informationen.
    • Nun geht man noch mehr ins Detail und liest auch die dazwischen liegenen Sätze.
    • Zum Schluss sucht man dann noch nach bestimmten Antworten auf die Fragen, die aufgetaucht sind oder klärt die Dinge, die man nicht verstanden hat.

    Das ganze Lesen geht zielgerichtet vor sich: Man sucht sich die Informationen, die dem Ziel dienen, welches man sich notiert hat. Das können ganz allgemeine Ziele sein wie zum Beispiel: Ich will einen allgemein Überblick über das Thema gewinnen, aber Details interessieren mich nicht. Oder auch spezielle Ziele: Wie war der genau Ablauf des 30jährigen Kriegs? Welche politischen Kräfte waren massgebend. Je nach Ziel benötigt man mehr oder weniger Zeit, was man aber schon im Schritt 3 festgelegt hat. Wichtig ist, dass man sich seine Erkenntnisse festhält. Es ist nicht immer einfach, die Ideen direkt in das MindMap zu übertragen, weil es den Lesefluss unterbricht. Wenn einem das nicht liegt, kann man die Ideen im Buch einfach markieren und dann am Schluss in das MindMap übertragen.
    Nachbereitung: Ideal ist, wenn sich aus dem Buch direkt nächste Schritte ergeben. Das Lesen sollte also nicht mit dem Schliessen des Buchs beendet sein. Vielleicht ergeben sich Idee wie: “Ich will mit mit dem Thema näher beschäftigen. Deshalb gehe ich als nächster Schritt in die Buchhandlung und hole mir ein neues Buch darüber.” Oder: “Darüber will ich bloggen.” Oder: “Diesen oder jenen Tipp zum Vereinfachen von meinem Leben will ich umsetzen.” Das kann man dann alles auf seine ToDo-Listen schreiben. Dieser Schritt ist also die Umsetzung der gewonnen Ideen und Einsichten in sein eigenes Leben.

Diese Methode eignet sich natürlich nur für Sachbücher und nicht für Romane. Sie garantiert aber, die für sich selbst relevanten Informationen heraus zu schälen. Und mit Hilfe des MindMaps kann man sich den Inhalt auch nach Monaten schnell wieder in Erinnerung rufen. Es braucht ein wenig Training, die Methoden umzusetzen und es ist auch zeitaufwändiger, das Buch so zu bearbeiten, aber dafür holt man ein Maximum heraus. Denn: Wer will schon ein Buch lesen, um den Inhalt in kürzester Zeit wieder zu vergessen?

{ 1 Kommentar }

Kategorie

3 Schritte zu einem leeren Schreibtisch

30. Oktober 2007

photo by Glenn Wolsey

Bei meinem ersten Job nach dem Studium habe ich versucht, möglichst viele Dokumente auf meinen Schreibtisch zu verteilen. So habe ich mich wichtig und beschäftigt gefühlt. Selbstverständlich fand ich (fast) immer alles sofort… Schliesslich war das ja nur ein kreatives Chaos und Ordnung nur für die, die zu faul zum Suchen [...]

Weiterlesen →
Kategorie

Ordnung im PC (Teil II): Ran an die Innereien!

29. Oktober 2007

“Ordnung im PC” ist eine Miniserie, welche sich mit der Organisation in und um den Computer beschäftigt. Genau so wie Zimmer, Schränke, und Schreibtische unaufgeräumt, unübersichtlich und chaotisch sein können, kann das der Computer auch sein. Der Vorteil ist aber, dass man das dem Computer nicht gleich ansieht. Trotzdem gelten die gleichen Prinzipien wie sonst [...]

Weiterlesen →
Kategorie

Beziehungspflege: Trag Sorge zu Dir

26. Oktober 2007

photo by TaMiMi Q8
Jeder Mensch lebt in verschiedenen Rollen und hat die unterschiedlichsten Beziehungen: Man ist Ehepartner, Vater/Mutter, Freund, Arbeitnehmer usw. Und damit hat man eine Beziehung zu seinem Partner, seiner Partnerin, zu seinen Kindern, zu seinen Freunden, zu seinen Kollegen usw. Wir wenden viel Zeit auf, um diese Beziehungen zu pflegen. Und das ist [...]

Weiterlesen →
Kategorie

Was tun, wenn ich nichts tun mag?

25. Oktober 2007

photo by i b u

Es gibt Tage, da habe ich keine Lust auf gar nichts. Wie bei vielen Menschen ist das bei mir oftmals am Montag so. Ich bewundere dann immer die Menschen, denen alles so leicht fällt und die immer frisch und fröhlich am Tun sind. Ich habe mich dann schon selber [...]

Weiterlesen →